Wandern
 

Der Wacholderwald in der Teufelsheide

Anfahrt  
Ort: Faßberg
Entfernung: 55 km
Zeit: 52 Minuten
Navi-Eingabe: Parkplatz Wacholderwald


Unser Rundwanderweg startet am Parkplatz Wacholderwald. Zunächst geht es unspektakulär zwischen Feldern in Richtung der Ortschaft Schmarbeck mit ihren unverfälschten Heidehöfen . Dort biegen wir links ab und erreichen die ersten Magerrasen- und Heideflächen. Wir durchqueren ein Waldsück und treffen dann auf weitläufige Heideflächen in hügeliger Landschaft. Die sanften Hügel sind Zeugen der Eiszeit und bestehen aus Flugsandsedimenten, die bei dünner Vegetationsdecke gut zu sehen sind.
Wir befinden uns mitten in der Teufelsheide, die ihren Namen alten Sagen verdankt. Man erzählte sich beispielsweise, der Teufel höchstpersönlich habe hier versucht, die Heidebauern zu vertreiben, indem er riesige Findlinge schleuderte und so den Boden unfruchtbar machte. Wahrscheinlicher ist jedoch folgende Erklärung: Noch um 1900 erstreckte sich eine etwa 350 ha große Heidefläche östlich von Schmarbeck. Möglicherweise hat der Teufelszwirn der Landschaft den Namen gegeben.

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Teufelszwirn

Der Teufelszwirn, auch Quendel-Seide genannt, ist eine besonders auffällige Pflanzenart. Die zarte, 20 bis 80 cm lange Windepflanze windet sich mit ihren purpurroten, fadenartigen Stängeln durch das Heidekraut und erinnert dabei an einen dünnen Zwirnsfaden. Ihre nur wenige Millimeter großen Blüten erscheinen ungefähr zur gleichen Zeit wie die des Heidekrauts und besitzen ebenfalls eine rosa Färbung.
Auffällig ist, dass der Teufelszwirn keine grünen Blätter besitzt – etwas, das Menschen früher sicher unheimlich vorkam. Die Pflanze ist ein Schmarotzer: Sie bezieht ihre Nährstoffe nicht selbstständig, sondern entzieht z. B. dem in der Heide wachsenden Thymian, von denen sie abhängig ist.


Auf dem Weg zurück zum Ausgangspunkt erreichen wir den Wacholderwald, dem größten in Niedersachsen. Auf rund 20 Hektar stehen Hunderte eng beieinander wachsende Wacholdersträucher, von denen viele bizarre Formen besitzen, die besonders im Nebel wie geheimnisvolle Figuren wirken. Man nennt sie daher zu Recht "Zypressen des Nordens".

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Wacholder

Während der Zeit der traditionellen Heidebauernwirtschaft galt der Wacholder als störendes Weideunkraut, weil er die Heidschnucken beim Fressen behinderte. Schäfer achteten deshalb darauf, dass er sich nicht zu stark ausbreitete. Das Holz wurde sowohl als Brennmaterial genutzt als auch zum Räuchern von Fisch oder zum Drechseln. Die Beerenzapfen dienten als Gewürz für Gerichte wie Sauerkraut oder Sauerbraten und bilden zudem die Grundlage für die Herstellung von Gin. Im 19. Jahrhundert waren Wacholderbeeren ein bedeutendes deutsches Exportgut – allein 1880 gingen 90.000 Kilogramm davon nach Frankreich.
Heute gilt der Wacholder als gefährdet, da seine bevorzugten nährstoffarmen, lichten Standorte in der modernen Kulturlandschaft selten geworden sind. Findet man einen Wacholder in einem Kiefernwald, deutet das meist darauf hin, dass dort früher eine offene Heidefläche existierte. Trotz seiner Seltenheit hierzulande ist der Wacholder – als Strauch oder bis zu 15 Meter hoher Baum – der Nadelbaum mit der weltweit größten natürlichen Verbreitung. Er wächst in Europa, Nordasien, Nordamerika und Nordafrika.
Im Volksglauben wurde der Wacholder als Zauber- und Heilpflanze verehrt, der Leben und Gesundheit spenden sollte. Ein Zweig über Türen oder Stallungen sollte vor Teufeln, Hexen, Geistern, Schlangen und Dieben schützen. Im Mittelalter nutzte man Wacholderzweige zum Ausräuchern von Pesthäusern.


Kurz bevor wir unser Tagesziel erreichen, umrunden wir den Fassberg. Er ist stolze 94 m hoch und hat sogar ein Gipfelkreuz. Von dort oben haben wir weite Aussichten über die Südheide. Nicht weit entfernt befindet sich die Ortschaft Fassberg. Dort befindet sich die Erinnerungsstätte "Luftbrücke Berlin".



 
 
© | Clemens Woythal
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