Wandern
 

Rund um Hornbostel ab Wietze

Anfahrt  
Ort: Wietze
Entfernung: 35 km
Zeit: 26 Minuten
Navi-Eingabe: Deutsches Erdölmuseum Wietze, Schwarzer Weg 7-9, 29323 Wietze


Wir nutzen den Parkplatz am Deutschen Erdölmuseum in Wietze und beginnen dort unsere bisher längste Wanderung. Der Besuch des Museums wird auf dieser Seite näher beleuchtet. Wietze wurde auch als "Klein-Texas" bezeichnet, da sich dort die Wiege der deutschen Erdölförderung befand. Bereits 1652 gewann man ölhaltigen Sand aus sogenannten Teerkuhlen, ehe ab 1858 mit der weltweit vermutlich ersten Bohrung die industrielle Förderung begann. Um 1900 war Wietze eines der wichtigsten Erdölfelder Europas und war so ölreich, dass die Kinder früher sagten: „Wenn du in Wietze ein Loch gräbst, kommt erst Öl — dann Wasser!“. Über 2000 Bohrungen wurden im Laufe der Jahrzehnte niedergebracht. Zur Blütezeit Anfang des 20. Jahrhunderts wurden in und um Wietze rund drei Viertel des deutschen Erdöls gefördert.
Doch zunächst wandern wir am Neuen Friedhof vorbei in Richtung Kalka-Seen. Sie sind ehemalige Baggerseen, die durch den Abbau von Sand und Kies entstanden sind. Bereits kurz danach befinden wir uns im weiteren Bereich der Aller. Auf gewundenem Kurs geht es somit durch die Alleraue, wobei der Fluss selbst jedoch meist eher nur zu erahnen als wirklich zu sehen ist. Die Alleraue ist heute eine natürlich Auenlandschaft mit weiten Flusswiesen, Altgewässern und Altarmen. Wir durchwandern die Hornbosteler Hutweide. Sie ist eine historische Hutelandschaft, also ein Gebiet, in dem Dorfbewohner über Jahrhunderte ihr Vieh hüteten. Mit dem Rückgang traditioneller Landwirtschaft drohte die Landschaft zu verbuschen — daher wurde ein großes Beweidungsprojekt mit Rotbunten Rindern und Przewalski-Pferden gestartet.
Einen kleinen Abstecher können wir zur Schleuse Bannetz unternehmen. Auf dem Weiterweg sorgen immer wieder Tafeln mit sinnhaften Sprüchen, Gedichten oder Kurzgeschichten für Unterhaltung, ehe wir schließlich von der Aller Richtung Wietzer Ortsgebiet abbiegen.
Wir erreichen Wietze im Bereich der Schachtstraße und erklimmen den 72 m hohen Ölberg. Der Berg ist die Halde des Bergwerks, der durch Ablagerungen von Waschsand und Abraum aus dem untertägigen Bergwerk in den Jahren von 1930 bis 1963 entstanden ist. Er ist heute bewachsen und ist ein schöner Aussichtspunkt über das Aller-Leine-Tal. Weiter geht es zum historischen Kern des bergmännischen Erdölbergwerks, das ab den 1930er Jahren betrieben wurde. Das Bergwerk war ein Sonderfall: Während Erdöl sonst fast immer über Bohrungen gewonnen wird, wurde in Wietze bergmännisch unter Tage gearbeitet. Bis zur Stilllegung 1963 entstand ein unterirdisches Streckennetz von über 95 km.
Wir beenden unsere Wanderung an unserem Startpunkt, dem Deutschen Erdölmuseum. Es liegt direkt auf dem Gelände eines ehemaligen Förderfeldes und ist eines der wenigen Museen in Europa, das sich vollständig der Geschichte der Erdölgewinnung widmet. Auf dem Freigelände befinden sich rekonstruierte Anlagen, aber auch der originale Bohrturm von 1920 und historische Pumpen, Fördertechnik und Bohrgeräte.



 
 
© | Clemens Woythal
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