Wandern
 

Flusswanderung entlang der Örtze

Anfahrt  
Ort: Munster
Entfernung: 46 km
Zeit: 35 Minuten
Navi-Eingabe: Friedrich-Heinrich-Platz 22, 29633 Munster


Wir parken am Friedrich-Heinrich-Platz und laufen etwa 250 m zum Startpunkt unserer Rundtour an der Wassermühle zu Munster. Wir umrunden zunächst den Mühlenteich. Er wurde künstlich angelegt und wurde bereits im Mittelalter zur Energiegewinnung genutzt. Die ehemalige Wassermühle, die dem Teich seinen Namen gab, trieb Mahlwerke und später auch Sägen an. Der Teich ist heute ein beliebter Startpunkt für Spaziergänge – nicht zuletzt wegen der ruhigen Wasserfläche, auf der sich Enten, Gänse und manchmal sogar Eisvögel blicken lassen.
Der Örtzeweg ist mit einer weißen Welle auf blauem Grund ausgeschildert und verläuft äußerst abwechslungsreich vom Mühlenteich in Munster enlang des Flüsschens Örtze bis zur Dethlinger Heide. Der Weg führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft, die typisch ist für die südliche Lüneburger Heide: klare Heidebäche, feuchte Wiesen, lichte Wälder und Spuren jahrhundertealter Nutzung. Gleichzeitig begegnen wir hier militärische Geschichte, die Munster seit über 125 Jahren prägt.
Im weiteren Verlauf streifen wir das Muffel- und Damwildgehege, das seit Jahrzehnten ein beliebter Anlaufpunkt für Familien ist. Das Gelände wurde ursprünglich zur Wildbeobachtung und als pädagogischer Lernort angelegt.
Unsere Wanderung führt nun immer am Rand des militärischen Sperrgebietes entlang. Munster ist untrennbar mit der Bundeswehr verbunden. Der Örtzeweg führt in Sichtweite der Panzertruppenschule und des Munitionslagers, die seit 1956 bestehen. Historisch gesehen, änderte die Region nie seine Funktion. 1893 wurde hier ein Schießplatz des preußischen Heeres eingerichtet. In den 1930er Jahren entstand das Heeresversuchsgelände Munster-Nord. Heute ist Munster einer der wichtigsten Ausbildungsorte für Panzertruppen in Deutschland.
Auch unser nächstes Etappenziel - die Dethlinger Heide - hat eine militärische Vergangenheit. Jahrzehntelang war sie Sperrgebiet, und zwischen den 1930er Jahren und den 1950er Jahren wurden in Sandgruben chemische Kampfstoffe, Munition und Laborreste entsorgt. In unmittelbarer Nähe liegt der Dethlinger Teich – einem Relikt des ehemaligen Kieselgurabbaus, der ab 1935 als Lagerstätte für Munition genutzt und nach Kriegsende von den Alliierten als Munitionsdepot genutzt wurde. Erst seit wenigen Jahren wird die Grube systematisch untersucht, saniert und von den Altlasten befreit. Aus dem Teich wurden bereits über 10.000 Granaten, Bomben und Minen geborgen. Für uns besteht selbstverständlich keine Gefahr, solange wir auf den markierten Wanderwege bleiben.
Der Rückweg verläuft nun an den Ufern der Örtze. Ihr Wasser ist so klar, dass man oft bis auf den sandigen Grund sehen kann. Die Örtze entspringt nur wenige Kilometer entfernt und schlängelt sich durch Wälder und Heideflächen, die früher für Fischerei und zur Wasserkraft genutzt wurde. Wir nähern uns dem Ende unserer Wanderung und entdecken einen Bohlenweg, der über die sogenannten Rieselwiesen führt. Diese Wiesen sind ein Überbleibsel aus einer Zeit, in der Munster sein Abwasser auf natürliche Weise reinigte. Ab dem 19. Jahrhundert wurde das Wasser über ein ausgeklügeltes System aus Gräben und Holzrinnen hierhin abgeleitet. Die Pflanzen und der Boden filterten es. Heute sind die Rieselwiesen ein wertvolles Biotop, in dem seltene Pflanzen und Insekten leben. Der Bohlenweg schützt die empfindliche Vegetation und ermöglicht gleichzeitig einen sicheren, trockenen Übergang.
Zum Abschluss erreichen wir die St. Urbani- Kirche aus dem 15. Jahrhundert. Der Name „Urban“ geht auf den Schutzpatron der Winzer zurück – ein Hinweis darauf, dass die Region im Mittelalter tatsächlich kleine Weinberge besaß. Die Kirche wurde mehrfach umgebaut, blieb aber stets das geistige Zentrum der Gemeinde. Ihr Turm ist eines der markantesten Wahrzeichen Munsters. Dem angeschlossen befindet sich die Museumsanlage Ollershof (externer Link) mit der historischen Wagenremise, dem Backhaus, dem Treppenspeicher, in dem Gerätschaften aus der Heide-Imkerei und zur Textilherstellung ausgestellt sind, sowie den Schwienehäusern.
Den Abschluss kann ein Besuch der Innenstadt mit Marktplatz und Rathaus bilden (ca. zusätzliche 1,5 km).



 
 
© | Clemens Woythal
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